19.05.2026
© Bayerische Schlösserverwaltung

Rekonstruktion der „Gelben Treppe“ in der Münchner Residenz abgeschlossen

 

Ein bedeutendes Werk Leo von Klenzes erstrahlt wieder im historischen Glanz

Die „Gelbe Treppe“ im Königsbau der Münchner Residenz ist seit Juni 2021 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit der Rekonstruktion dieser bedeutendsten Prunktreppe Leo von Klenzes konnte ein herausragendes Beispiel klassizistischer Architektur in seiner ursprünglichen Wirkung wiederhergestellt werden. Anlässlich der abschließenden Aufstellung zweier Marmorkandelaber fand am 24.03.2026 eine Feierstunde mit dem Bayerischen Staatsminister der Finanzen und Heimat statt, in der alle Beteiligten, insbesondere die großzügige finanzielle Unterstützung der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, gewürdigt wurden.

„Mit der Rekonstruktion der Gelben Treppe ist ein einzigartiges Zeugnis der klassizistischen Baukunst in der Münchner Residenz zurückgewonnen worden“, sagt Behördenleiter Ltd. Baudirektor Eberhard Schmid vom Staatlichen Bauamt München 1. „Die fein abgestimmte Zusammenarbeit mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung hat es ermöglicht, die Aspekte der Denkmalpflege, Planung und traditionellem Handwerk in Einklang zu bringen sowie die rekonstruierte historische Gestaltung auf beeindruckende Weise erlebbar zu machen. Das Ergebnis ist ein ‚kleines Wunder‘, das den Besucherinnen und Besuchern die hohe Kunst des Bauens im 19. Jahrhundert wieder nahebringt.“

Historischer Hintergrund

König Ludwig I. von Bayern ließ von seinem Hofarchitekten Leo von Klenze in den Jahren 1824 bis 1825 erste Entwürfe für den Königsbau der Residenz anfertigen. Vorbild waren der Palazzo Pitti und der Palazzo Rucellai in Florenz. Unmittelbar anschließend wurde der Königsbau in den Jahren 1825 bis 1834 errichtet. Die Gelbe Treppe bildet dabei die bedeutendste Prunktreppe Leo von Klenzes und den repräsentativen Zugang zu den Königlichen Appartements im Königsbau.

Die seit Herbst 1943 fortschreitende Zerstörung der Münchner Residenz durch alliierte Luftangriffe fand ihren Höhepunkt in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944, als die Innenstadt Münchens ein letztes Mal bombardiert wurde. In dieser Nacht wurde unter anderem auch die Gelbe Treppe schwer getroffen.

Wiederaufbau und veränderte Prioritäten

Beim Wiederaufbau der Residenz legte man den Schwerpunkt unter anderem auf das Antiquarium, dessen Notdach in die ursprüngliche Raumgeometrie der Gelben Treppe eingriff. Vor diesem Hintergrund wurde die Zugangstreppe zu den Königlichen Appartements im Königsbau in Dimension und Ausgestaltung zurückhaltender wieder aufgebaut als im historischen Zustand.

Initiative zur Rekonstruktion

Die Initiative für die Wiederherstellung der Gelben Treppe in ihrer ursprünglichen Form ging von der Bayerischen Schlösserverwaltung aus. Die Umsetzung wurde erst durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung ermöglicht. Im Juli 2015 wurden die Rekonstruktionsmaßnahmen definiert und schließlich der Planungsauftrag zur Rekonstruktion der Gelben Treppe erteilt. Bereits im Jahr 2016 begannen die Bauarbeiten.

Zunächst erfolgten die Gerüststellung mit einem notwendigen Wetterschutzdach sowie die umfangreiche Baustelleneinrichtung im Brunnenhof der Residenz. Die eigentlichen Baumaßnahmen wurden mit dem Abbruch des Treppenlaufs und der beidseitigen Treppenwände des Wiederaufbaus eingeleitet. Dies machte umfassende Schutzmaßnahmen – etwa Staubschutz – in den angrenzenden musealen Räumen erforderlich.

Historische Befunde als Glücksfall

An den dadurch freigelegten historischen Treppenhauswänden konnten originale Stuck- und Stuckmarmorreste gesichert werden. Dies erwies sich als Glücksfall für die Rekonstruktion der Schmuckelemente, von denen bis dahin lediglich historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen sowie ein Farbfoto der Rotunde vor der Gelben Treppe vorlagen.

Die Rotunde am Treppenantritt wurde in Trockenbauständerbauweise errichtet und findet ihren oberen Abschluss in einer neuen Stahl-Glaskonstruktion. In der Rotunde bildet der aufwendig rekonstruierte Mosaikboden aus schwarzem und weißem Marmor sowie originalem Rosenheimer Granitmarmor den „krönenden Abschluss“. Auch die Treppenstufen sind aus Rosenheimer Granitmarmor gefertigt.

Traditionelle Handwerkskunst im Einsatz

Hervorzuheben sind die äußerst präzise ausgeführten traditionellen Handwerkstechniken, insbesondere die vorbildlichen Stuck- und Stuckmarmorarbeiten. Sie haben es ermöglicht, dieses „kleine Wunder“ der Baukunst seit Juni 2021 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

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